Monatsspruch Juni 2018

Hebräerbrief Kapitel 13 Vers 2

1993 – meine erste Reise nach Israel. 14 Tage Rundreise im Bus mit 25 Leuten zu den biblischen Stätten. Und immer mit dabei – auch mit Rat und Tat - unser Busfahrer Philipp! Immer für eine Überraschung gut!

Am vorletzten Tag sagt er uns: „Heute Nachmittag kommen wir auf unserer Fahrt durch mein Dorf. Ich lade euch alle ein. Ich habe meine Frau angerufen. Die bereitet gerade alles vor!“
Einwände lässt er nicht gelten. „Deine Frau wird sich freuen, wenn du mit einer ganzen Busladung von fremden Leuten vor der Tür stehst! Und überhaupt: Habt ihr so viel Platz?“
„Kein Thema!“ antwortet er. „Sitzgelegenheiten bringen die Nachbarn. Wir kriegen euch alle unter!“

Und dann sitzen wir ein paar Stunden später dichtgedrängt im Wohnzimmer, im Flur und in der Küche seiner kleinen Wohnung. Es gibt starken arabischen Kaffee oder Tee. Dazu Gebäck und Schnittchen für alle. Trotz der Enge fühlen wir uns wohl. Man kommt sich näher – nicht nur wegen des begrenzten Platzes in der Wohnung. 

Wir lernen den Alltag in Israel kennen. Wir erleben, wie die Menschen leben, wie sie denken, mit welchen Problemen sie sich rumschlagen. Manche Station dieser Reise habe ich nicht mehr so auf dem Schirm, aber dieser Besuch ist in Erinnerung geblieben..
Ich erinnere mich an die liebevolle Art von Philipp und seiner Frau Sarah, ihre gastfreundliche Haltung und wie sehr sie uns das Gefühl gaben, willkommen zu sein. Wir spüren: Sie freuen sich wirklich über unseren Besuch.

Ein Beispiel gelebter Gastfreundschaft. Etwas, das mich tief beeindruckt hat. Ein Beispiel das zeigt: Gastfreundschaft ist mehr! Mehr als nur ab und zu die Familie zum Geburtstag einzuladen. Mehr als ein paar gute Freunde oder Nachbarn zum Grillen auf die Terrasse einzuladen.

Gastfreundlich zu sein – das bedeutet in der Bibel mehr. Es bedeutet, offen zu sein – auch für die, die mir fremd sind. Für den, mit dem ich vielleicht so meine Probleme habe. Der mir schon mal gewaltig auf die Nerven geht, wenn er wieder vor meiner Tür steht.

Gastfreundlich zu sein – das bedeutet, ein offenes Haus zu haben. Wo jeder klingeln kann. Wo jedem das Gefühl gegeben wird: Du bist willkommen, so wie du bist!
Hier kannst du loswerden, was du auf dem Herzen hast. Hier findest du ein offenes Ohr und offene Arme.
Im Scherz haben wir schon mal gesagt: Wenn unser Küchentisch erzählen könnt: Wer alles schon als Gast an diesem Tisch gesessen hat!

Gastfreundlich zu sein – das bedeutet in der Bibel, etwas von Gottes vorbehaltloser Menschenliebe weiterzugeben. Andere das spüren und erfahren zu lassen: Herzlich willkommen. Schön, dass du da bist! Gott fragt auch nach dir!

Und wer weiß, wen wir da schon alles an unserem Tisch zu Gast hatten. Jesus selbst hat mal gesagt: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen!“

Deshalb: Vergesst die Gastfreundschaft nicht! Lasst uns Gottes Menschenfreundlichkeit leben – im Kleinen bei uns zu Hause – aber auch im Großen als Gemeinde. Lasst uns einladend leben.

Ihr/ Euer Michael Goldau