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„Gegen das Vergessen“

Alisa Tennenbaum zu Gast in Eisern

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Nein, vergessen werden diesen Abend die ca. 75 Besucher bestimmt nicht, die gekommen waren, um sich die Lebensgeschichte von Alisa Tennenbaum anzuhören.

Organisiert wurde dieser Abend am 12. November unter Mithilfe der „Gesellschaft Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit“ in Siegen.

Die heute 86jährige Jüdin Alisa Tennenbaum hat als Kind von 9 Jahren den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und den Beginn des Nazi-Terrors in Wien erlebt – wie auf einmal der Zutritt zum Augarten - einem der bekanntesten Parks in Wien – für Juden und Hunde verboten war. Jüdische Kinder durften nicht mehr in ihre bisherige Schule gehen. Wochenlang saßen sie und ihre sieben Jahre ältere Schwester zu Hause, bis dann eine Schule nur für jüdische Kinder ihre Pforten öffnete.

Sie hat miterlebt, wie die Famiie auseinander gerissen wurde. Ihr Vater kam zunächst ins KZ nach Dachau, bevor er nach England ausreisen durfte. Ihre Schwester verließ Wien zusammen mit Gleichaltrigen Richtung Palästina, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Sie selbst wurde allein mit einem der letzten Kindertransporte im August 1939 nach England geschickt, während die Mutter in Wien blieb, bis auch sie ins KZ kam und zur Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik verpflichtet wurde.

Die Geschichte von Alisa Tennenbaum hat – anders als viele andere Geschichten aus dieser Zeit – ein „Happy-End“. Bewegt erzählt sie wie sie vom Überleben der Mutter erfuhr: durch ein Telegramm an das Kinderheim in Newcastle, in dem sie mit anderen Mädchen, die von ihren Eltern nach England geschickt worden waren, lebte.
Ihre größte Sorge: Wie sage ich es den anderen? Sie hatte noch ihren Vater. Und auch ihre Mutter lebte. Die Eltern der meisten anderen Kinder waren von den Nationalsozialisten ermordet worden.

Nachdem die Familie sich nach dem Krieg wiedergefunden hatte, emigrierte sie nach Palästina.

Es ist still im Raum. Alle hören gebannt zu. Das ist lebendige Geschichte, die wir sonst nur aus Büchern kennen oder aus Dokumentationen im Fernsehen. Hier steht eine Zeugin dieser Zeit und erzählt ihre ganz persönliche Geschichte. Sie erzählt sie „Gegen das Vergessen!“ Und sie erzählt sie auch mit dem einen oder anderen Augenzwinkern oder Lächeln, wenn sie z.B. davon berichtet, wie sie ihren Mann kennen gelernt hat. Er war der Lehrer, der ihr Hebräisch beibringen sollte, nachdem sie nach Palsätina gekommen war.

Aber noch mehr bewegen ihre Worte am Ende ihres Vortrags. Vergessen könne man das nicht, sagt sie, aber die Hand zur Versöhnung reichen. Und das eine nicht vergessen: Dass jeder Mensch seinen Wert hat – egal, wo  er herkommt, wie er aussieht, welche Hautfarbe er hat. Weil jeder Mensch genau wie ich fühlt!
Das müssen wir unseren Kindern beibringen, sagt sie. Dass einer den anderen hasst, das darf nie wieder vorkommen. Das darf sich nie wiederholen.

Ein Abend, der sicher in Erinnerung bleibt. Nicht nur durch das Gehörte. Auch durch die Begegnung mit einem ganz besonderen Menschen, der man das abspürt, wie wichtig ihr der Wunsch nach einem Miteinander ist, in dem einer dem anderen annimmt wie er ist.

Ein Abend, der beeindruckt hat!