Aktuelles
Jahreslosung 2012
„Morgen ist Blutspende! Da gehen wir alle zusammen hin!“
Bei dieser Ankündigung musste ich erst mal kräftig schlucken. Passiert ist das Ganze während meines Gemeindepraktikums in Lüdenscheid.
Am Abend war Erwachsenenkreis. Und da wurde das beschlossen. „Morgen ist Blutspende! Da gehen wir alle zusammen hin.“
Es gab da nur ein Problem: Ich kann kein Blut sehen! Und schon gar nicht mein eigenes. Aber zugeben wollte ich das auch nicht. Wie sieht das denn aus? Angst vor einer Nadel und so einem kleinen Stich? Peinlich!
Also hieß es: Augen zu und durch. Und alles war auch gar nicht so schlimm wie befürchtet. Den Einstich habe ich locker weggesteckt. Das Blut lief auch ganz gut. Ich war schon auf der Zielgeraden.
Da passierte es: Die Ärztin zog mir die Nadel aus dem Arm. Ein einzelner Tropfen Blut tropfte auf meinen Arm. Das war’s. Ich war weg!
Als ich aufgewacht bin, waren da lauter besorgte Gesichter über mir. „Mensch, warum hast du das denn nicht gleich gesagt?“
Ja, warum eigentlich nicht?! Warum fällt es uns so schwer, zu unseren Schwächen zu stehen?
Zuzugeben, dass ich nicht alles schaffe, dass ich nicht alles locker auf die Reihe kriege, dass ich an dem einen oder anderen Punkt am Ende bin, am Ende meiner Kräfte - wer traut sich das schon? Mut zur Schwäche – wer hat den schon?
In unserer Gesellschaft ist etwas anderes gefragt. Da ist Stärke gefragt – zumindest nach außen hin. Da muss die Fassade gewahrt bleiben. Wer da Schwäche zeigt, der ist schnell unten durch.
Die Losung für dieses Jahr macht an diesem Punkt Mut: Mut zur Schwäche. Mut zu dem zu stehen, was ich eben nicht hinbekomme. Mut zuzugeben, wie es wirklich in meinem Leben aussieht.
Denn wir haben einen Herrn, der eine Schwäche für die Schwachen hat!
Er fragt gerade nach denen, die nicht mit ihrem Leben klar kommen, die da immer wieder scheitern, die nicht alles fest im Griff haben. Er fragt nach dir und nach mir, weil er eine Schwäche hat auch für dich und für mich.
Das macht mir Mut. Mut, zu meinen Schwächen zu stehen. Weil ich weiß: Ich muss Jesus da nichts vormachen. Er kennt mich und er steht trotzdem zu mir - auch da, wo ich schwach bin.
Und gerade da, wo ich nicht alles hinbekomme, da, wo ich scheitere, da verspricht er mir: Meine Kraft ist in dir mächtig!
Und genau deshalb brauchen wir Mut zur Schwäche! Weil seine Kraft nur dann wirkt. Seine Kraft wirkt da, wo ich dazu stehe, dass ich nicht alles schaffe, dass ich nicht alles im Griff habe.
Solange ich versuche, alles selbst zu regeln in meinem Leben, solange ich auch vor Jesus den starken Mann, die starke Frau spiele, wird seine Kraft in mir nicht wirken, jedenfalls nicht mächtig.
Darum: Mut zur Schwäche – damit Jesus mit seiner Kraft in deinem und in meinem Leben wirken kann! Mit seiner Kraft können du und ich uns dem zu stellen, was das neue Jahr uns bringt auch an Schwierigkeiten, auch an Momenten, wo wir selbst am Ende sind.
Weil Jesus bei uns ist, weil er eine Schwäche für die Schwachen hat und weil seine Kraft gerade in den Schwachen mächtig ist.
Ihr/ Euer
Michael Goldau


